"Wir haben
es immer lustig zusammen"
Das Jugendrotkreuz Basel vermittelt Jugendliche ab 16 Jahren in
einen Sozialeinsatz bei Menschen mit einer Behinderung, die privat
oder in einem Heim leben. Die Freiwilligen verbringen mit den Klientinnen
und Klienten Ihre Freizeit. Sie gehen gemeinsam ins Kino, Shoppen
oder machen Sport.
Ruth Eggerschwiler ist 33 Jahre alt und sehbehindert. Sie arbeitet
im Restaurant Blinde Kuh und ist beim Schweizerischen Roten Kreuz
(SRK) Basel-Stadt Referentin des Kurses „Mit Hund, Stuhl
und Gebärden“. Sara Hosslin ist 23 Jahre alt, Kauffrau
bei Satram-Huiles SA und seit April 2005 Freiwillige beim Jugendrotkreuz
Basel. Die beiden Frauen treffen sich regelmässig seit September
2007. Das SRK Basel unterhielt sich mit den beiden.
Ruth, wie hast Du vom Sozialeinsatz erfahren?
Ruth: Von einer Mitarbeiterin des Blindenverbandes in Basel.
Warum hast Du Dich gemeldet?
Ruth: Es ist toll, mit einer Freiwilligen ab und zu etwas in der
Freizeit zu machen. Es hat sicher mit der Behinderung zu tun,
dass ich für gewisse Lebensbereiche Hilfe benötige.
Sara, wie hast Du von den Freiwilligeneinsätzen gehört?
Sara: Ich hatte schon lange die Idee, einen Freiwilligeneinsatz
zu leisten. An der MUBA bin ich am Stand des SRK Basel vorbeigekommen
und so habe ich mich gemeldet.
Warum hast Du Dich beim SRK Basel als Freiwillige gemeldet?
Sara: Ich wollte in meiner Freizeit eine sinnvolle Tätigkeit
machen und ab und zu etwas „Gutes“ tun.
Der Einsatz ist unbezahlt und Du spendest Deine Zeit. Was bringt
Dir dieser Einsatz?
Sara: Ich lerne in meinen Einsätzen neue Menschen und neue
andere Lebensbereiche kennen und es bringt mir Lebenserfahrung.
Ausserdem gibt es mir ein gutes Gefühl.
Wenn Ihr Euch trefft, was sind Eure gemeinsamen
Aktivitäten?
Beide: Wir gehen zusammen einkaufen, vor allem Lebensmittel und
kürzlich auch Möbel. Wir planen zukünftig, zusammen
zu wandern oder in den Zoo zu gehen.
Wie häufig trefft Ihr Euch?
Sara: 1 Mal pro Woche.
Was ist Euch wichtig an diesem Kontakt?
Beide: Wir schätzen einander und wir haben es immer lustig
zusammen.
Ist die Behinderung von Ruth ein Thema für
Euren Kontakt?
Sara: Ich habe gelernt, wie man mit Menschen, die sehbehindert
sind, umgeht. Beim Einkaufen kann ich Ruth die nötigen Hilfestellungen
geben, indem ich ihr beim Lebensmitteleinkauf im Geschäft
vorlese, was auf den Produkten steht. Oder beim Möbel einkaufen,
kann ich ihr die Möbel erklären. Für unseren zwischenmenschlichen
Kontakt ist die Behinderung kein Thema.
Was sagt Deine Umgebung dazu, dass Du diesen Freiwilligeneinsatz
machst?
Sara: Es gibt ganz unterschiedliche Reaktionen. Einige Leute zeigen
Interesse, was ich mache und finden es eine tolle Sache. Andere
finden, dass ich zu viel Zeit in die Freiwilligeneinsätze
investiere.
Kannst Du diese Gratis-Hilfe von Sara gut annehmen?
Ruth: Ich habe kein Problem damit. Für mich macht es keinen
Unterschied, ob dieser Einsatz bezahlt oder unbezahlt ist. Es hat
sicher auch damit zu tun, weil ich weiss, dass Sara im Arbeitsprozess
ist und genug verdient. Es wäre wahrscheinlich anders, wenn
Sara kein oder ein kleines Einkommen hätte.
Besten Dank für das Gespräch.
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