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Jugendrotkreuz — Disco für Menschen mit und ohne Behinderung

"Der Aufwand stört mich nicht"

DJ Sunflower lässt zu Rock auch Rollstühle kreisen. Auszüge aus dem Interview mit DJ Sunflower von Tara Hill in der Basler Zeitung vom 13. März 2008.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie von Brahms bis Sex Pistols alles spielen. Wollten Sie Sich nie auf eine Stilrichtung festlegen?
Nein, ich habe meine Motivation eher von Filmen bekommen. Da Filmemachen damals aber noch sehr teuer war, versuchte ich, mit Kassette und Mischpulkt eine musikalische Dramaturgie zu schaffen. Heute gibt es nur noch wenige Stile, die mir nicht gefallen - etwa volkstümlicher Schlager oder Reggaeton. Das Wichtigste ist für mich: Hat die Musik einen guten Rhythmus? Regt sie Emotionen? Solange ein Lied tanzbar ist und nicht billig klingt, bin ich offen für alles.

Heute legen Sie aber nicht mehr mit Kassette auf?
Nein, klar. Das würde nicht funktionieren! Als ich anfing, Musik zu sammeln, kam gerade die CD auf. In Plattenläden verkaufte man plötzlich kaum mehr Vinyl. Später kam für mich die MiniDisc dazu. Heute bin ich aber auf MP3-Format umgestiegen, die ich mit Computer-Programmen mixen kann. Das ist praktischer.

Sie legen für das Rote Kreuz an den Discos für Behinderte auf. Wie läuft so ein Abend ab?
Gute Frage! Die Abende richten sich an Behinderte und Nicht-Behinderte, und wird vom Roten Kreuz und der Vereinigung Cerebral organisiert. Da kommen viele Menschen im Rollstuhl mit ihren Betreuern, aber auch geistig behinderte Musik-Fans. Ich habe mich erst auch gefragt, wie man wohl mit einem Rollstuhl tanzt. Mit einem Handrollstuhl, bei jemandem mit einer Paraplegie, ja der kann sich noch körperlich über die Bewegung der Arme auslassen. Aber wie soll das bei jemandem funktionieren, der sich so gut wie gar nicht bewegen kann, der auch einen Elektrorollstuhl angewiesen ist? Dieser kann den Drang, sich zur Musik zu bewegen, ja nicht direkt über seine eigene Körperaktivität ablassen. Nun, viele drehen sich einfach zur Musik um die eigene Achse. Ich denke, dass ist wie bei jenem im Alfa Romeo: Die Pioneer-Soundanlage aufdrehen und dazu in der Gegend rumfahren. Das mag im ersten Moment abstrakt klingen, scheint aber bestens zu funktionieren."

Das vollständige Interview mit DJ Sunflower finden sie hier.

 


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