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"Ich schlafe besser mit dem Notruf"

Das SRK Basel traf sich mit Inge Gerstner zum Gespräch über den Notruf


Frau Gerstner, Sie sind seit 1985 Notruf-Kundin. Das ist eine lange Zeit.

Ich bin sozusagen in zweiter Generation Mitglied. Meine Mutter hatte schon den Notruf. Ich war früher beruflich viel im Ausland unterwegs. Da haben wir uns gedacht, dass es eine grosse Beruhigung ist, wenn wir wissen, dass die Mutter zuhause auf einen Knopf drücken kann, wenn etwas ist und dann Hilfe organisiert wird.

Hat Ihre Mutter sofort eingewilligt oder hat sie sich gegen den Notruf gewehrt?

Meine Mutter ist 1903 geboren. Sie war froh, dass es das Notruf-System gibt. Es geht vor allem um die Beruhigung und weniger um das konkrete Benutzen. Meine Mutter hat den Notruf nie benutzt. Ich glaube auch nicht, dass sie je in der Wohnung hingefallen ist. Ich selber brauchte dann den Notruf.

Was ist passiert?

Beim Gang auf den Balkon bin ich über die Stufe gestolpert und habe mir den Fuss gebrochen. Das war etwa 1993. Ich schickte dann dem Hausbesitzer Bankverein einen Anwalt vorbei, weil ich überzeugt war, dass die Haftpflichtversicherung des Vermieters für den Unfall zahlen sollte. Wir kleine Davids haben dann einen Prozess gegen den grossen Goliath Bankverein gewonnen. Wir konnten nämlich beweisen, dass die Stufen zum Balkon schlecht gebaut worden waren. Der Bankverein musste dann eine Verbesserung der Stufen in die Wege leiten.

War dieser Sturz das einzige mal, dass Sie den Notruf gebraucht haben?

Nein. Ein anderes mal bin ich in meinem Wohnzimmer über den Teppich gestolpert, gestürzt und habe mir die Kniescheibe gebrochen. Dann habe ich über den Notruf den Hausarzt organisiert. Da war ich auch froh, dass ich den Notruf hatte und vor allem, dass ich das Armband angehabt habe. Manchmal vergesse ich es nämlich anzuziehen. Dann habe ich ein ganz schlechtes Gewissen. Der Notruf gibt nämlich ein grosses Gefühl von Sicherheit.
Während des Umbaus des Hauses, in dem ich wohne, wurden an der Fassade Gerüste aufgestellt, die Diebe geradezu eingeladen haben. Ich habe viel besser geschlafen mit dem Wissen, im Notfall ganz einfach einen Knopf drücken zu können.

War dieses Sicherheitsgefühl der Grund, weshalb Sie den Notruf von Ihrer Mutter übernommen haben?

Ich war selber nicht mehr ganz jung. Ich war Ende 60 als meine Mutter gestorben ist. Wir haben in derselben Wohnung gelebt. Da der Notruf schon installiert war, habe ich ihn übernommen. In der Nacht und auch am Tag bin ich oft alleine in der Wohnung. Nur ab und zu ist eine Haushälterin da.

Haben Sie viel Kontakt mit dem Roten Kreuz und der Medizinischen Notrufzentrale, etwa in Servicefragen?

Nein. Meistens rufen sie mich einmal im Monat oder alle zwei Wochen an und sagen, ich soll mal auf den Knopf drücken. Das mach ich dann. Sie sind sehr nett und freundlich. Auch wenn man mal aus Versehen auf den Knopf kommt.

Passiert Ihnen das?

Ja, öfter. Ich vergesse ab und zu, dass ich den Knopf trage. Ich trage ihn unter dem Hemd und da passiert es schnell, dass man aus Versehen drauf kommt. Dann beginnt es zu knacken und nach kurzer Zeit meldet sich eine Stimme. Krankenschwestern sind das glaub ich, die rund um die Uhr am Computer sitzen: „Frau Gerstner, ist etwas?“. Dann sage ich höchst entsetzt: „Nein, es ist gar nichts. Ich bin aus Versehen drauf gekommen. Bitte entschuldigen Sie.“ „Das macht doch nichts“, heisst es dann sehr freundlich. Manchmal kann ich das Signal noch abfangen, wenn ich merke, dass ich aus Versehen auf den Knopf gedrückt habe. Wenn das Knacken kommt, kann man am Apparat den grünen Knopf drücken und das Signal geht nicht raus.

Ziehen Sie das Armband über Nacht ab?

Nein. Im Bett passiert es meistens, dass ich aus Versehen auf den Knopf komme. Ich habe das Armband immer an, vor allem auch immer in der Badwanne.

Gehen Sie noch viel ausser Haus?

Ich gehe meine Einkäufe machen. Dafür nehme ich heute vermehrt das Taxi. Das ist mir zum Glück möglich, da ich mein ganzes Leben gearbeitet habe. Nachts gehe ich sehr wenig aus. Dann nehme ich auch das Taxi oder werde von Bekannten abgeholt. Man müsste direkt mal testen, wie weit der Notruf reicht (lacht). Beim nächsten mal, wenn ich aus Versehen auf den Knopf drücke, sage ich, dass Sie mir geraten haben, das mal auszuprobieren (lacht).

Viele ältere Menschen reagieren gegenüber dem Notruf-System zurückhaltend und denken sich, dass sie doch noch alleine zurecht kommen und so etwas nicht brauchen. Können Sie diesen Leuten das Notruf-System weiter empfehlen?

Jederzeit.

Ist der Notruf überhaupt ein Thema?

Wir unterhalten uns nicht sehr viel über unsere Gebrechen und Ängste. Ich sage aber schon manchmal, wenn sichjemand zum Beispiel etwas gebrochen hat, dass sie sich doch den Notruf anschaffen sollten. Dann kommen die blödesten Einwände.

Welche?

Sie bräuchten das nicht, sie seien ja noch fit. Oder sie hätten doch einen Mann oder einen Hund (lacht). Ich sage dann immer, dass der Notruf sicher besser sei.

Dann sind sie ja eine gute Werbeträgerin für uns...

Mein Mann hatte ja auch eine Werbeagentur (lacht).

Das Gespräch mit Inge Gerstner führte Beni Pfister im Mai 2008.

Notruf: Auskunft und Beratung:

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Das Notruf-Gerät in Inge Gerstners Wohnung.