Zurück zu Aktuell

Young Carers - pflegende Jugendliche

Kein Kind in Basel-Stadt darf alleingelassen werden - kein Kind!

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Jetzt spenden!

Wer sind Young Carers oder Young Adult Carers?

In erster Linie sind Young Carers oder Young Adult Carers ganz normale Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Allerdings tragen sie deutlich mehr Verantwortung als ihre Gleichaltrigen. Sie pflegen, betreuen oder unterstützen ein Familienmitglied oder eine nahestehende Person, die von chronischer Krankheit, Unfall, Beeinträchtigung, Gebrechlichkeit oder Sucht betroffen ist. Meist sind die Young Carers so verborgen, dass ihr Umfeld nichts von ihrer speziellen Rolle weiss. Oft nehmen sie ihre Aufgabe als Selbstverständlichkeit wahr und wissen nicht, dass sie Besonderes leisten.

Wie viele Young Carers gibt es?

Gemäss einer Studie der Careum Hochschule für Gesundheit sind in der Schweiz knapp 8% aller Kinder und Jugendlichen Young Carers (Alter 10 bis 15 Jahre). Bei den Young Adult Carers (ab 18 Jahre) muss davon ausgegangen werden, dass bis zu 11% regelmässig Care-Aufgaben übernehmen.

Dies entspricht:

  • 737 Mädchen und Buben in Basel-Stadt (ein bis zwei Kinder pro Schulklasse)
  • 1'966 junge Frauen und Männer in Basel-Stadt

Warum werden Kinder und Jugendliche Young Carers?

Die Young Carers suchen sich die Unterstützungsrolle meist nicht freiwillig aus. Oft stehen keine Alternativen zur Verfügung und es fehlen passende und finanzierbare Pflege- und Unterstützungsarrangements. Auch familiäre Gründe, wie beispielsweise Scham, Angst und Loyalität können dazu führen, dass die Betreuungsrolle einem Kind übertragen wird.

Welche Aufgaben übernehmen Young Carers?

Young Carers übernehmen unterschiedliche Unterstützungsaufgaben.

  • Unterstützung für die erkrankte Person: Hilfe bei der Nahrungsaufnahme, beim Aufstehen und zu Bett gehen, dolmetschen, Wundversorgung, Medikamente verabreichen, emotionale Unterstützung.
  • Unterstützung für gesunde Familienmitglieder: Betreuung von Geschwistern (Hausaufgaben machen, ins Bett bringen, Spielen, zur Schule bringen, etc.).
  • Unterstützung für sich selber: alleine aufstehen, das Znüni selber machen, sich selber trösten, etc.
  • Hilfe für die Familiengemeinschaft: Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen, Rechnungen bezahlen, Behördengänge.
  • etc.

Welche Auswirkungen kann die Rolle als Young Carer haben?

Negative Auswirkungen

  • Schule und Beruf: wenig Zeit zum Lernen, eingeschränkte Bildungschancen
  • Psychosozial: Überforderung, weniger soziale Kontakte, wenig Freizeit, ein erhöhtes Risiko diskriminiert und gemobbt zu werden (v.a. wenn es um eine Sucht- oder psychische Erkrankung geht)
  • Psychisch: ängstliches und depressives Verhalten, ein erhöhtes Risiko psychisch zu erkranken
  • Körperlich: Müdigkeit, Rücken-, Bauch- und Kopfweh

Positive Auswirkungen

  • Psychosozial: Stolz, Empathiefähigkeit und Verantwortungsbewusstsein

Warum holen sich Young Carers keine Hilfe?

  • Sie verstehen ihre Rolle als selbstverständliche Verpflichtung
  • Sie haben Angst davor verurteilt oder missverstanden zu werden
  • Sie wissen nicht, mit wem sie über ihre Situation sprechen sollen
  • Sie fürchten sich vor Stigmatisierung
  • Sie haben Angst, dass Kinderschutzbehörden sie aus ihrer vertrauten Umgebung herausnehmen
  • Sie glauben nicht, dass sich etwas ändert, wenn sie ihre Betreuungsverantwortung offenbaren
  • Sie sind loyal gegenüber ihren Angehörigen und sprechen nicht über deren Erkrankung
  • Sie schämen sich, weil ein Elternteil sucht- oder psychisch krank ist

Welche Unterstützung brauchen Young Carers?

Young Carers brauchen:

  • Schnelle Hilfe in Notfällen
  • Entlastung im Alltag
  • Freiräume
  • Befähigung ihre Situation zu meistern ohne zu viel Verantwortung übernehmen zu müssen
  • Plattformen um sich untereinander vernetzen und austauschen zu können
  • Damit Young Carers sich outen und Unterstützung beanspruchen können, müssen sie die Angst vor Diskriminierung ablegen. Dafür muss das Thema enttabuisiert werden. Es braucht Aufklärung, Information und Sensibilisierung zur Thematik.

Was können Sie tun um Young Carers zu unterstützen?

Young Carers brauchen Menschen die ihre Thematik mitdenken und ins Gespräch bringen, die in der Öffentlichkeit und in verschiedenen Gremien Fürsprache leisten für ihre Anliegen.

Werden Sie Botschafterin oder Botschafter für die Thematik der Young Carers
oder spenden Sie jetzt.

Weitere Informationen zum Thema und zur thematischen Forschung

Informationen zum Pilotprojekt des Roten Kreuzes Basel

Heidi Baühler (079 273 42 62), Projektleiterin

Dr. Sabinea Siegrist (061 319 56 56), Geschäftsleiterin Rotes Kreuz Basel


Jetzt spenden!

Weiterempfehlen